Kindergartenalltag mit Narkolepsie

Eine Ära geht zu Ende - unsere Große kommt nach den Sommerferien in die Schule. Eine aufregende und emotionale Zeit, aber auch eine gute Gelegenheit, um unsere Erfahrungen zum Umgang mit Narkolepsie im Kindergartenalltag zu teilen.

Ein Platz in der Integrationsgruppe ist gold wert

Als unsere Tochter im Jahr 2015 erkrankte, war sie gerade drei Jahre alt und seit einem Dreivierteljahr in einer regulären Kindergartengruppe. Zuvor hatte sie zwei Jahre lang die Krippe der gleichen Einrichtung besucht. Da wir beide arbeiteten, haben wir die Kurze in einer Ganztagsgruppe angemeldet, deren Betreuungszeiten von 8 - 16 Uhr dauerten. Mit der Wahl bzw. der Platzzusage des Kindergartens haben wir das ganz große Los gezogen, wie sich insbesondere im Verlauf der Erkrankung und dem professionellen Umgang damit herausstellte. Denn wir hatten das Glück, dass unsere Tochter in die Integrationsgruppe der Kita kam, auch wenn sie selbst kein "I-Kind" war, trotz Narkolepsie. Der Vorteil einer solchen Gruppe ist (zumindest hier in Niedersachsen), dass die Gruppengröße mit 14-18 Kinder kleiner und somit überschaubarer ist, als in den Regelgruppen. Zudem ist eine heilpädagogische Fachkraft mit einem Mindeststundenkontingent in der Betreuung, die sich um die Kinder mit Förderbedarf kümmert.

Schlafen in der Räuberhöhle

Als die ersten Anzeichen für Narkolepsie auftraten, wussten weder wir noch die Erzieherinnen, was mit dem Kind los war. Während sie anfangs "erst" nach dem Kindergarten einschlief, kamen die Schlafattacken mit der Zeit immer früher, bis sie schließlich im Morgenkreis um 9 Uhr zum ersten Mal einnickte. Die sieben Monate zwischen ersten Anzeichen und gesicherter Diagnose bereiteten auch den Erzieherinnen Sorgen. Trotzdem ermöglichten sie es, dass der Kindergartenalltag für unsere Kurze so normal wie möglich stattfand. Wenn sie müde wurde, legte sie sich in die sogenannte "Räuberhöhle". Das war eine kleine, mit einer Matratze ausgelegte Nische, die sich unter der Treppe befand, die zur Empore im Gruppenraum führte. Die Nische war gerade so groß, dass eine Matratze hinein passte. Ausgestattet mit ein paar Kissen, Kuscheltieren und einer Wolldecke war dies ein prima Schlafplatz.

Ein typischer Kindergartentag mit Narkolepsie

Mit der Diagnose begann die Medikamention und die Tagesschläfrigkeit nahm rapide ab. Der Alltag pendelte sich so ein, dass unsere Tochter die Medis um ca. 7.30 Uhr nahm, damit sie für den Weg zu Kita fit war. Wir fuhren gewöhnlich zwischen 8.15 und 8.30 Uhr von zuhause los, da war die Wikrung bereits in Gange. Da sie selbst mit dem Fahrrad fuhr, musste sie wach und konzentriert sein, was auch stets gut klappte. Den Vormittag über war sie meistens fit und konnte alle Aktitvitäten in der Kita problemlos bewältigen. Nach dem Mittagessen, welches um 12.30 Uhr servierte wurde, hat sie sich bald selbstständig zum Schlafen gelegt und verschwand für 30-90 Minuten im Land der Träume. An den meisten Tagen hat sie eine gute Dreiviertelstunde geschlafen. Bei gutem Wetter waren die anderen Kinder oft draußen, sodass unsere Kurze auch ihre Ruhe hatte. Bei kaltem oder schlechten Wetter spielten die anderen Kinder im gleichen Raum. Da nach dem Mittag jedoch nur ruhiges Spielen angesagt war - unabhängig von unserem schlafenden Kind - stellte es kein Problem dar, dass der Schlafplatz direkt im Gruppenraum war. Wenn sie ausgeschlafen hatte, stand sie einfach auf und schloss sich den anderen Kindern an.

Außergewöhnliche Aktivitäten in der Kita

Eine Besonderheiten stellten jene Tage dar, die nicht der Routine entsprachen. Hierzu gehörten Feiertage, an denen es bspw. in die Kirche nebenan ging, oder Ausflüge. Durch die Vorfreude und Aufregung an diesen Tagen, ist unsere Kurze fast immer früher eingeschlafen als sonst. Bei kleineren Ausflügen oder Wanderungen haben die Erzieherinnen daher stets einen Buggy oder Bollerwagen mitgenomen, um unser Kind - im Fall der Fälle - schlafend von A nach B transportieren zu können. Im Kindergarten selbst ist sie eigentlich nur beim Snoezelen eingeschlafen,

Fazit

Abschließend  glaube ich, dass wir 1. mit der Kita, 2. mit der Gruppe und 3. mit den Erzieherinnen großes Glück gehabt haben. Der Kindergarten bot den benötigten Rahmen, um den Alltag mit Narkolepsie gut bewältigen zu können. Sowohl die Leiterin als auch die Erzieherinnen hatten stets ein offenes Ohr, nahmen unsere Bedürfnisse und Anliegen ernst und gingn konstruktiv und professionell mit der Erkrankung um. Die Heilpädagogin hatte einen besonderen Blick auf unsere Tochter, auch wenn sie nicht zu den "I-Kindern" im offiziellen Sinn zählte. Der Schafplatz im Gruppenraum war ideal, die Flexibilität der Erzieherinnen bei außerordentlichen Aktivitäten großartig.