Bettchen wechsele dich - Nächtliche Abenteuer mit Narkolepsie #1


Das Foto zeigt die Füße eines Erwachsenen und eines Kindes unter einer Bettdecke.
Das Kuriose und auf den ersten Blick Widersprüchliche an Narkolepsie ist die Beziehung zwischen Tag und Nacht. Während das Hauptsymptom dieser Krankheit die erhöhte bis exzessive Tagesschläfrigkeit ist, sind die Nächte von Narkoleptikerinnen und Narkoleptikern oft durch leichte bis massive Durchschlafstörungen gekennzeichnet. Ist das nicht gemein? Tagsüber sind die Erkrankten ständig müde und nachts können sie nicht schlafen. Auf den zweiten Blick erkennt man hier natürlich einen Zusammenhang: Ist der Nachtschlaf von geringer Qualität, fehlt einem die Power für den Tag. Bei uns ist das leider nicht anders.

Bettchen, Bettchen wechsel dich
Ich bringe meine Tochter zwischen halb acht und 8 Uhr ins Bett. Meisten kuscheln wir noch ein wenig, lesen oder plaudern. Oft braucht sie noch ein paar Streicheleinheiten an Beinen oder Füßen bis sie zur Ruhe kommt und einschläft. Die erste Einschlafphase dauert in der Regel 2-3 Stunden. Es ist erstaunlich, aber sobald ich ins Bett gehe, es ruhig wird und ich allmählich in den Schlaf gleite, steht die Kleine bei mir auf der Matte: "Mama, ich kann nicht mehr schlafen" oder "Kann ich zu dir ins Bett?" hieß es dann anfangs immer. Mittlerweile hat sich dieses abendliche Spielchen ritualisiert. Es gibt kaum eine Nacht, in der sie nicht zwischen 22 und 23 Uhr zu mir ins Bett kommt.

Unvollständiges Erwachen?
Ich habe viel darüber nachgedacht, wie ich damit umgehe. Ich habe versucht, sie dazu zu erziehen, dass sie in ihrem Bett durchschläft. Das hat leider so gar nicht funktioniert. Denn sobald ich sie zurück in ihr Bett bringe, schläft sie entweder nur schwer wieder ein oder steht binnen kurzer Zeit wieder bei mir am Bett. So sind die Nächte für beide von uns nur wenig geruhsam. Im Schlaflabor stellte der Arzt den Verdacht auf, dass das nächtlich Erwachen gar nicht mit der Narkolepsie zusammenhängt. Er sprach von Durchschlafstörungen, die durch unvollständiges Erwachen aus dem Tiefschlaf bedingt sind. Dagegen könne man ganz leicht etwas tun. Er händigte mir eine Anleitung aus, in welcher die Technik des antizipatorischen Weckens beschrieben war. Es handelt sich dabei um eine verhaltenstherapeutische Maßnahme, bei der durch das Geben leichter Weckimpulse die natürlichen Schlafzyklen verkürzt werden. Dadurch wird die gesamte Schlafstruktur verändert und das Kind wacht bestenfalls nicht mehr aus dem Tiefschlaf auf. Ich probierte die Technik eine Zeit lang und war großer Hoffnung, dass diese simple Methode die Lösung eines großen Problems sein könnte. Leider stellte ich keine Veränderungen fest und gab die Hoffnung und auch die Technik nach einiger Zeit wieder auf.

Das Familienbett als Lösung
Ich habe nach langem Hin und Her für mich akzeptiert, dass es ist wie es ist und sowohl ihr als auch mir ein großes Bett gekauft. Ich finde es wichtig, dass sie in ihrem Bett einschläft, um ihr zu vermitteln, dass das die Norm ist. Ich finde es aber völlig okay, wenn sie dann nachts zu mir kommt. Ehrlich gesagt genieße ich es schon fast. Und merkwürdiger Weise sind die Nächte ab dem Zeitpunkt, wenn sie neben mir liegt, deutlich ruhiger. Ob das nun eine Dauerlösung ist, weiß ich noch nicht. Momentan ist es für uns die Variante, in der wir alle den meisten Schlaf bekommen und nur das zählt.